Spieltisch der Orgel in der St. Eduard-Kirche Neukölln
Orgelportrait-Konzert
in St. Eduard Neukölln
am 8. August 2026
für die
Gemeinschaft des hl. Vinzenz
im Anschluss an deren
Festgottesdienst
Auftrag:
Norbert Körner
Konzert-Programm
- Christian H. Rinck (1770 – 1846) Präludium für volle Orgel „Con gravita“, WoO
- Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) Ave verum corpus Nach KV 618
- Th. Steinhoff (geb. 1968) Meditation Freie Improvisation
- B. Janáček (1920–2007) Vi bär så många med oss Aus „Den svenska Psalmboken“, № 399. Melodie: 1977
- Pierre-Bénoni Leblanc (1750 – 1827) Du drottning över Nordens land Nach „Cecilia Katolsk Gudstjänstbok“, № 121. Melodie Leblanc zugeschrieben
- Katholisches schwedisches Kirchenlied (1693) Som sol om våren stiger Nach „Cecilia Katolsk Gudstjänstbok“, № 341. Schwedische Weise, trad.
-
J.S. Bach (1685 – 1750)
- Air aus der Suite Nr. 3 in D-Dur Nach BWV 1068
- Choral „Jesu bleibet meine Freude“ Nach BWV 147
- Praeludium und Fuge in g-Moll J.S. Bach zugeschrieben
- Th. Steinhoff Finale: „Gegrüßet seist Du, Königin“ Freie Choral-Improvisation
Zu den Stücken
Das Präludium für volle Orgel in c-Moll von Christian H. Rinck (1770 – 1846) eröffnet das Orgel-Portrait-Konzert. Zwar verfügt die Orgel von St. Eduard über keine vorgegebene Pleno-Kombination, diese lässt sich aber wunderbar von Hand umsetzen. Bei einer Pleno-Registrierung werden 8‘, 4‘ und 2‘-Register mit einer Mixtur kombiniert. Um das früh-romantische Präludium mit den stilistisch passenden Steigerungen zu interpretieren, kommt neben dem gekoppelten Hauptwerk (Manual I) auch ein dezenter eingestelltes Schwellwerk (Manual II) zum Einsatz. Das Stück ist im Original mit der Anweisung „con gravita“ – also: mit Schwere – versehen.
Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) komponierte eines sehr berühmtesten Stücke an einem einzigen Tag. Der Autograph von Ave verum corpus datiert auf den 17. Juni 1791, einen Freitag. Das Stück ist eine Motette für Chor und Instrumente. Zu hören ist ein improvisierter Satz von Thorsten Steinhoff für Orgel, basierend auf dem vierstimmigen Chor-Satz.
Im schwedisch-protestantischen Gesangbuch findet sich unter der Nummer 399 das musikalisch wie inhaltlich anrührende „Vi bär så många med oss“ – übersetzt: „Wir tragen so viele mit uns“. Gemeint ist damit der christliche Missionsauftrag, der sich gerade auf die bezieht, die noch keine Verbindung zur Kirche haben.
Die Melodie schrieb der in Prag geborene und im schwedischen Lund gestorbene Bedřich Janáček.
Das schwedische Marien-Lied „Du drottning över Nordens land” (übersetzt: Du Königin des Nordens) steht im schwedischen Gesangbuch „Cecilia“, das unserem Gotteslob entspricht. Der Text zeigt die Gottesmutter als in allen Schichten verehrte Herrscherin – in Hütten und Palästen.
Der schwedisch-lutherischen (!) Kirche sind Marienlieder übrigens auch nicht fremd. Sie sind allerdings immer biblisch.
Die Melodie von „Som sol om våren stiger“ kommt im Gesangbuch Cecilia mehrere Male vor. „Wenn die Sonne im Frühling steigt“ war der Text, den Thorsten Steinhoff zu dieser Melodie mitsang, als das Lied in einem Gottesdienst der zentralen katholischen Kirche Malmös angestimmt wurde.
Nach diesem Lied der römisch-katholischen Schweden und einigen „Bach-Klassikern“ widmet Thorsten Steinhoff der wunderschönen Orgel von St. Eduard ein frisch improvisiertes Finale, bei dem die volle Klangkraft des Instruments zum Klingen kommt.
Zur Orgel
Die ursprüngliche Orgel der St. Eduard-Kirche erbaute 1919 die Orgelbau-Werkstatt G.F. Steinmeyer (Opus 1276) aus Oettingen in Bayern.
Im Jahr 1969 gestaltete der Berliner Orgelbaumeister Arndt Stephan die Orgel klanglich um und gab ihr den noch heute hörbaren neobarocken Charakter.
Im Jahr 2012 setzte die Orgelbaufirma W. Sauer das Instrument instand und ist seitdem auch mit der Pflege betraut.
Das Taschenladen-Instrument hat nunmehr 29 Register, verteilt auf zwei Manuale (Hauptwerk, Schwellwerk) und Pedal.
Zum Interpreten
Thorsten Steinhoff, 1968 im westfälischen Attendorn geboren, startete 1987 seine Tätigkeit als katholischer Kirchenmusiker im oberbayerischen Dorf Schwindegg (Lkr. Mühldorf am Inn) –
als reiner Autodidakt.
In seiner Heimat hatte er von 1980 bis 1985 Klavierunterricht bei Dietmar Bohrmann erhalten, einem Kirchenmusiker. Dieser wollte seinem Klavierschüler aus eigenem Antrieb Orgelstunden geben, musste aber wegen Kollegen-Absprachen davon absehen. – Dietmar Bohrmann verstarb 1992 unerwartet im Kreis seiner Sängerinnen und Sänger.
Während seines Magister-Studiums, u.a. der Musikwissenschaft, pendelte Thorsten Steinhoff an den Wochenenden, um in Schwindegg die Orgel zu spielen. Natürlich ohne Möglichkeit, etwas vorzubereiten oder zu üben. Eine harte Schule, die aber ein ausgeprägtes Improvisations-Vermögen hervorbrachte.
Seit 2017 ist der Interpret des Orgelportrait-Konzerts regulärer Kirchenmusiker in St. Richard Neukölln, übernimmt aber bereits seit 2013 auch Vertretungen an zahlreichen Orgeln im Erzbistum Berlin und darüber hinaus. Zuletzt in St. Elisabeth auf Amrum, in der Vergangenheit häufiger in St. Marien und St. Stephanus Lüneburg.
Die Orgel von St. Eduard ist – neben der Sauer-Orgel in St. Michael Berlin-Mitte – sein Lieblingsinstrument.